Welche Versicherungen sind für Selbstständige wirklich notwendig?

Als Selbstständiger benötigen Sie eine Krankenversicherung und eine Rentenversicherung als Pflichtversicherungen, während Berufshaftpflicht, Betriebshaftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung je nach Branche und Risiko dringend empfehlenswert sind. Die Kosten variieren zwischen 300 und 800 Euro monatlich, abhängig von Ihrem gewählten Versicherungsschutz und der Branche.

Warum kostet Sie unzureichender Versicherungsschutz mehr als Sie denken?

Ein einziger Schadensfall ohne passende Versicherung kann Ihre gesamte Existenz vernichten. Wenn Sie als IT-Berater versehentlich Kundendaten löschen oder als Handwerker einen Wasserschaden verursachen, können Schadensersatzforderungen schnell sechsstellige Summen erreichen. Ohne Berufshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht müssen Sie diese Kosten aus eigener Tasche zahlen, was oft das Aus für Ihr Unternehmen bedeutet. Analysieren Sie daher sofort Ihre branchenspezifischen Risiken und schließen Sie die entsprechenden Haftpflichtversicherungen ab, bevor Sie Ihren ersten Kunden betreuen – ein wichtiger Schritt bei der Unternehmensgründung, der leider häufig unterschätzt wird.

Was signalisiert der Verzicht auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung über Ihre finanzielle Zukunft?

Als Selbstständiger haben Sie keinen Anspruch auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente, weshalb eine Berufsunfähigkeit Sie direkt in die Armut führen kann. Besonders kritisch wird es, wenn Sie als Alleinverdiener eine Familie versorgen müssen oder hohe Betriebskosten haben, die auch bei Arbeitsunfähigkeit weiterlaufen. Je länger Sie mit dem Abschluss warten, desto teurer wird die Versicherung, und desto höher ist das Risiko einer Ablehnung aufgrund von Vorerkrankungen. Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung daher bereits in den ersten Monaten Ihrer Selbstständigkeit ab – gerade in der Pre-Opening-Phase sollte dieser Schutz ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, solange Sie noch jung und gesund sind.

Welche Versicherungen sind für Selbstständige gesetzlich vorgeschrieben?

Für Selbstständige gelten nur wenige gesetzliche Versicherungspflichten. Die Krankenversicherung ist grundsätzlich verpflichtend, wobei Sie zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung wählen können. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Sie als Selbstständiger sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil, was zu höheren Beiträgen führt. Informieren Sie sich frühzeitig über die rechtlichen Rahmenbedingungen, denn gerade im Bereich Recht lauern für Selbstständige viele Fallstricke.

Die Rentenversicherungspflicht betrifft bestimmte Berufsgruppen wie Handwerker, Lehrer, Erzieher oder Publizisten. Handwerker können sich unter bestimmten Voraussetzungen von der Versicherungspflicht befreien lassen. Freiberufler sind oft in berufsständischen Versorgungswerken pflichtversichert, beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten.

Zusätzlich müssen Sie eine Unfallversicherung abschließen, wenn Sie Personal beschäftigen. Für sich selbst können Sie sich freiwillig bei der Berufsgenossenschaft versichern lassen.

Wie viel kosten Versicherungen für Selbstständige monatlich?

Die monatlichen Versicherungskosten für Selbstständige variieren stark je nach Branche, Einkommen und gewähltem Versicherungsumfang. Als Orientierung können Sie mit folgenden Kosten rechnen:

  • Krankenversicherung: 150-400 Euro monatlich, abhängig von Ihrem Einkommen und der gewählten Versicherungsart
  • Rentenversicherung: 80-600 Euro monatlich bei freiwilliger Versicherung
  • Berufshaftpflichtversicherung: 20-200 Euro monatlich je nach Branche und Deckungssumme
  • Betriebshaftpflichtversicherung: 15-100 Euro monatlich
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: 30-150 Euro monatlich, abhängig von Alter, Beruf und Absicherungshöhe
  • Rechtsschutzversicherung: 20-50 Euro monatlich

Insgesamt sollten Sie mit 300-800 Euro monatlich für den Grundversicherungsschutz kalkulieren. Diese Kosten können Sie als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Eine sorgfältige Planung Ihrer Versicherungsausgaben von Anfang an hilft Ihnen, böse Überraschungen zu vermeiden.

Was ist der Unterschied zwischen Berufshaftpflicht und Betriebshaftpflicht?

Die Berufshaftpflichtversicherung schützt Sie vor Schäden, die durch Ihre berufliche Tätigkeit entstehen. Sie greift bei Fehlern in der Beratung, mangelhafter Arbeit oder Verletzung von Terminen. Typische Beispiele sind Planungsfehler von Architekten, falsche Steuerberatung oder fehlerhafte IT-Dienstleistungen. Die Versicherung übernimmt sowohl berechtigte als auch unberechtigte Schadensersatzansprüche.

Die Betriebshaftpflichtversicherung hingegen deckt Schäden ab, die durch Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeiter oder Ihre Betriebsräume verursacht werden. Dazu gehören Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die nicht direkt mit Ihrer fachlichen Tätigkeit zusammenhängen. Beispiele sind Unfälle in Ihren Geschäftsräumen oder Schäden durch defekte Betriebseinrichtung.

Viele Selbstständige benötigen beide Versicherungen, da sie unterschiedliche Risikobereiche abdecken. Informieren Sie sich bei Ihrer Versicherung über mögliche Kombinationstarife, die beide Bereiche kostengünstiger abdecken. Wer sich bereits in der Umsetzung seiner Geschäftsidee befindet, sollte diesen Schritt nicht weiter aufschieben.

Welche Versicherungen brauchen Selbstständige in verschiedenen Branchen?

Der Versicherungsbedarf variiert erheblich je nach Branche und den spezifischen Risiken Ihrer Tätigkeit. Wer noch ganz am Anfang steht und eine Idee entwickelt, sollte das Thema Versicherungsschutz von Beginn an mitdenken:

IT-Dienstleister und Berater benötigen unbedingt eine Berufshaftpflichtversicherung mit Cyber-Schutz, da Datenverlust oder Systemausfälle hohe Schäden verursachen können. Eine Vermögensschadenhaftpflicht ist ebenfalls wichtig.

Handwerker sollten sowohl Berufs- als auch Betriebshaftpflicht abschließen, da sie sowohl durch ihre Arbeit als auch durch Unfälle auf Baustellen Schäden verursachen können. Eine Werkzeug- und Maschinenversicherung schützt vor Diebstahl und Beschädigung.

Freiberufler wie Ärzte, Anwälte oder Steuerberater sind oft zu einer Berufshaftpflichtversicherung verpflichtet. Die Mindestdeckungssummen sind gesetzlich vorgeschrieben und variieren je nach Beruf.

Online-Händler benötigen eine Produkthaftpflichtversicherung, eine Cyber-Versicherung und oft eine Warentransportversicherung. Bei Lagerung von Waren ist zusätzlich eine Inventarversicherung sinnvoll.

Wann sollten Selbstständige eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Sie idealerweise bereits vor oder unmittelbar nach dem Start Ihrer Selbstständigkeit abschließen. Je jünger und gesünder Sie sind, desto günstiger sind die Beiträge, und desto geringer ist das Risiko einer Ablehnung. Gerade für alle, die sich im Unternehmerstart befinden, gehört dieser Versicherungsabschluss zu den wichtigsten finanziellen Entscheidungen.

Besonders dringend ist der Abschluss, wenn Sie als Alleinverdiener eine Familie versorgen oder hohe laufende Kosten haben. Als Selbstständiger haben Sie keinen Anspruch auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente, weshalb eine Berufsunfähigkeit existenzbedrohend werden kann.

Achten Sie beim Abschluss auf eine ausreichende Rentenhöhe von mindestens 60-70 Prozent Ihres Nettoeinkommens. Die Versicherung sollte bis zum Rentenalter laufen und eine Nachversicherungsgarantie enthalten, damit Sie den Schutz bei steigendem Einkommen anpassen können.

Wenn Sie bereits Vorerkrankungen haben, prüfen Sie alternative Absicherungsmöglichkeiten wie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Grundfähigkeitsversicherung, die weniger strenge Gesundheitsprüfungen haben. Nutzen Sie außerdem Angebote zur Weiterbildung, um Ihr Wissen rund um Versicherungen und finanzielle Absicherung kontinuierlich auszubauen.

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