Formalitäten klären: Was müssen Gründer im Kopf haben?

Formalitäten klären: Was müssen Gründer im Kopf haben?

Bevor Sie Ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen können, gilt es, vorweg ein paar Formalitäten als Gründer zu klären. Zu den formellen Schritten gehört, dass Sie sich bewusstwerden, ob Sie freiberuflich oder gewerbetreibend sind. Um Ihr Gewerbe anzumelden, müssen Sie ebenso die für Sie passende Unternehmensrechtsform wählen.

 

Selbständiger Gewerbetreibender, Freiberufler und was noch?

 

Als Existenzgründer oder -gründerin sind Sie selbständig tätig – eventuell sogar als Arbeitgeber. Im Gegensatz zu einer Tätigkeit in Anstellung unterliegen Sie dabei nicht der Sozialversicherungspflicht. Somit müssen Sie keine Sozialabgaben wie Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung abführen. Dadurch haben Sie allerdings auch keinen Anspruch auf eine spätere Rente, Arbeitslosengeld sowie Lohnfortzahlung bei Urlaub oder Krankheit. Als Gründer müssen Sie sich über entsprechende Formalitäten informieren.

Zu welcher Kategorie Sie zählen, ist abhängig von Ihrer Geschäftsidee. Produzieren oder verarbeiten Sie bei Ihrer Tätigkeit etwas, so sind Sie Gewerbetreibender. Arbeiten Sie wissenschaftlich, kreativ oder aber beratend, zählen Sie zu der Gruppe der Freiberufler. Eine Sondergruppe bilden Land- und Forstwirte.

Download: Kriterien der Selbstständigkeit

Der größte Vorteil der Selbständigkeit liegt in der Entscheidungsfreiheit, die Ihnen obliegt. Diese wirkt auf verschiedene Bereiche Ihres beruflichen Handelns.
 

  • Sie können selbst entscheiden, welche Aufträge Sie annehmen und welche nicht, wann und wie viel Betriebs-, Transport- und Produktionsmittel angeschafft werden und wie Sie die Anschaffung finanzieren.
  • Sie sind nicht an regelmäßige Arbeitszeiten gebunden.
  • Sie sind frei in der Preisgestaltung Ihrer Produkte und Dienstleistungen.
  • Sie dürfen zur Erfüllung Ihrer Aufträge Mitarbeiter einsetzen.
  • Sie setzten eigenes Betriebskapital ein, somit haften Sie für Schäden an Produkten oder Produktionsgütern bzw. -mitteln.
  • Sie treten am Markt durch eigene Werbung bzw. Geschäftsräume auf.

 

Welche Rechtsformen für Unternehmen gibt es?

 

Um Ihr Gewerbe anzumelden, liegt eine überschaubare Anzahl an Behördengängen vor Ihnen. Bevor Sie die Anmeldung Ihres Unternehmens vollziehen, müssen Sie sich zunächst für die richtige Rechtsform entscheiden. Nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit, um sich mit den verschiedenen Unternehmensformen auseinanderzusetzen. Eine Entscheidung aus dem Bauch heraus ist hierbei weniger hilfreich.

Grundsätzlich unterteilen sich in Deutschland die Rechtsformen für Gewerbetreibende und Unternehmen in zwei Gruppen:

 

1 Kapitalgesellschaften

 

AG, KGaA, GmbH mit den Sonderformen Mini-GmbH/UG, gGmbH, GmbH, Co KG, eG, Limited

 

2 Personengesellschaften

 

Einzelunternehmen, Stille Gesellschaft, OHG, KG, GbR

Diese Unternehmensformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Anzahl an Gesellschaftern, der Höhe der Kapitaleinlage, Haftungsrisiken, Buchführungspflichten, Steuerpflichten und Namensgebung.

 

Einzelunternehmen oder offene Handelsgesellschaft – Die Frage nach der Rechtsform

 

Sie haben sich bereits für eine Rechtsform entschlossen? Dann sind Sie bereit, Ihr Unternehmen anzumelden. Die Prozedur zur Gründung der einzelnen Unternehmensformen unterscheidet sich geringfügig voneinander. Je nach Rechtsform vollziehen Sie die Anmeldung in einer anderen Behörde.

 

Gründungsprozess einer GmbH / UG / Aktiengesellschaft

 

Der erste Schritt der Gesellschaftsgründung ist abgeschlossen, sobald Ihr Gesellschaftervertrag notariell mit der entsprechenden Unterschrift beglaubig wird. Anschließend können Sie ein Geschäftskonto bei der Bank eröffnen und das Stammkapital einzahlen. Der Notar übernimmt die Anmeldung beim Handelsregister.

Die Gewerbeanmeldung erfolgt mit der Eintragung beim Handelsregister. Ab diesem Zeitpunkt können Sie mit Ihrer Kapitalgesellschaft geschäftlich aktiv werden. Parallel ist der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt auszufüllen. Auf diese Weise erhalten Sie die Umsatzsteuernummer, mit der Sie unter anderem Ihren Kunden künftig Rechnungen ausstellen. Eine Rechnung ohne Steuernummer ist nicht gültig. Im Folgenden empfiehlt sich die Beantragung einer Betriebsnummer bei der Agentur für Arbeit. Nur so können Sie anschließend Mitarbeiter beschäftigen.

 

Gründungsprozess bei einer GbR

 

Personengesellschaften wie die GbR müssen den Gesellschaftervertrag nicht notariell beurkunden lassen. Es empfiehlt sich jedoch in jedem Fall die Formulierung eines schriftlichen Gesellschaftervertrags. Anschließend können Sie Ihr Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Doch Achtung: Holen Sie sich die Gewerbeerlaubnis für erlaubnispflichtige Gewerbe ein!

Für sogenannte Freiberufler-GbRs entfällt der Schritt der Gewerbeanmeldung. Stattdessen erfolgt unmittelbar die Anmeldung Ihrer Tätigkeit beim Finanzamt über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Sie erhalten Ihre Steuernummer und hinterlassen Angaben über mögliche Steuervorauszahlungen.

 

Gründungsprozess bei einem Einzelgewerbe / freiberuflicher Tätigkeit

 

Als Einzelunternehmer entfällt für Sie der Schritt, einen Gesellschaftervertrag aufzusetzen. Immerhin gründen Sie allein; ein Mitgründer existiert nicht. Ihre Pflicht besteht darin, die Gewerbeerlaubnis für ein mögliches, erlaubnispflichtiges Gewerbe einzuholen. Selbständige Handwerker müssen beachten, dass in einigen Handwerksberufen die Meisterpflicht Grundlage für eine selbständige Arbeit ist. Eine bestandene Meisterprüfung ist demzufolge Voraussetzung. Anschließend erfolgt die Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt.

Für freie Berufe erfolgt unmittelbar die Anmeldung der Tätigkeit beim Finanzamt, um die Steuernummer zu erhalten.

Gewerbeamt, Finanzamt, IHK, Handelsregister oder Berufsgenossenschaft: Bei welchen Behörden Sie
Ihr Gewerbe anmelden müssen, verrät Ihnen die Behördenwegweiser-Übersicht.

Download: Behördenwegweiser als Infografik

 

Unternehmensname sichern: So melden Sie Ihre Marke an

 

Ist die Gründung rechtlich vollzogen, ist Ihr Unternehmen theoretisch startklar. Es gibt aber weitere Formalitäten, die es als Gründer zu klären gibt. Um künftig als Produkt, Dienstleister oder gar Unternehmen im Kreise Ihrer Zielgruppe wahrgenommen zu werden, arbeiten Sie bestenfalls mit einem einprägsamen Markennamen – bestenfalls mit einem Logo.

Sowohl Wörter, Buchstaben als auch Zahlen, aber auch Abbildungen, Farben und akustische Signale können Sie schützen lassen. Voraussetzung für den sogenannten Markenschutz ist die Anmeldung Ihrer Marke über das Deutsche Patent- und Markenamt – kurz DPMA. Die Markenanmeldung kann beim DPMA über drei verschiedene Wege erfolgen:
 

  • Markenanmeldung über das Onlineformular
  • Markenanmeldung per Post mit einem schriftlichen Formular
  • Markenanmeldung direkt im DPMA mit Signatur

 
Um die Markenanmeldung durchzuführen, werden neben der Markenbezeichnung verschiedene Angaben benötigt. Existiert beispielsweise eine einzuhaltende Formatvorlage für Ihre Marke, bereiten Sie diese entsprechend schriftlich bzw. elektronisch vor. Daraufhin überprüft das DPMA, ob Schutzhindernisse wie eine nicht vorhandene Unterscheidungskraft oder Irreführungsgefahr der Marke existieren. Werden absolute Schutzhindernisse verletzt, so kann die Markenanmeldung durch das DPMA nicht erfolgen.

Bei der Eintragung Ihrer Marke wird demnach nicht durch externe Kräfte geprüft, ob bereits bestehende Schutzrechte verletzt werden. Diese Aufgabe obliegt Ihnen vor der Markenanmeldung. Inhaber anderer Marken können innerhalb von drei Monaten nach Veröffentlichung Ihrer Marke Widerspruch gegen die Markenanmeldung einlegen. Ist der Widerspruch erfolgreich, wird Ihre Marke gelöscht und die Markenanmeldung ist hinfällig. Verläuft Ihre Markenanmeldung erfolgreich, so greift der Markenschutz ab Eintragung für zehn Jahre. Der Markenschutz lässt sich nach Ablauf der Zeit selbstverständlich verlängern.

 

Tipp: Bei der Wahl einer passenden Unternehmensform für Gründer spielen Haftung und Kapitaleinlage eine große Rolle. Lassen Sie sich daher von einem Gründercoach beraten, um unnötige Risiken zu vermeiden. Beratungsstellen für Gründer geben Ihnen ebenfalls Überblick, welche Formalitäten es zu klären gibt.

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